Die Aquarellbilder von Florina Coulin beanspruchen Zeit, um sich durch vielschichtige Überlagerungen von hauchfeinen Lasuren zu entwickeln. Die Transparenz geht dabei nicht verloren, sondern sie bekommt dadurch eine ganz besondere Tiefe und Konsistenz, wobei etwas vom Lichtzauber der Bilder von Vermeer anklingt, aber auch – uns zeitlich näher – die Ruhe und die poetische Qualität der Malerei von Blinky Palermo.
Florina Coulin entwickelt diese Art von Aquarellmalerei als kontemplatives Verfahren und als Ausweg aus dem Zufälligen. Das erklärt auch, warum und wieso das Dilemma abstrakt oder figurativ für sie unerheblich ist.
Die reinen geometrischen Formen werden zu monochromen „Lichtfenstern“, in denen sich Gelb, Goldgelb und Rot stets vielfältig differenzieren. Außerdem gibt es auch Bilder, in denen eine verschwenderische und frei gedeihende pflanzliche Welt paradiesische Visionen hervorruft, wo jedes Blättchen lichtdurchtränkt scheint. Es herrscht kein Widerspruch zwischen alldem.
Florina Coulins Einstellung zum künstlerischen Gestaltungsakt bringt eine Wiedervereinigung dessen, was zu Beginn der Moderne des 20ten Jahrhunderts durch scheinbar unüberwindliche Antagonismen und Polemiken getrennt wurde. Die Malerei von Florina Coulin ist zugleich vergeistigt und rein, frisch und lebendig, ein Moment des geglückten Gleichgewichts der Spannungen.

Ioana Vlasiu, Kunsthistorikerin, Bukarest   >>> Aquarell


Zeltkleid, Performance, Augsburg, Sommer 1989.

Mit der Performance Zeltkleid habe ich das Thema der Entwicklung der Persönlichkeit mit ihren verschiedenen Aspekten methaphorisch angesprochen. Das „Kleid“ bestand aus einem quadratischen, elastischen Stoff aus Blau-Rot-Bahnen von ca. 5–6 m Länge. Die Ecken wurden mit Kies-Säckchen beschwert. Die Etappen waren: sich fortbewegen durch das Säckchenwerfen in die eingeschlagene Richtung, danach sich einen Platz suchen, sich verankern, das Zelt aufschlagen, sich einrollen – verpuppen, um sich nach einer Weile wieder, mühevoll aber bestimmt, auf den Weg zu machen.
Das war für mich auch eine Bearbeitung der eigenen Lebenserfahrung: das Aufbrechen, um in einer neuen Welt Fuß zu fassen und die Bewusstwerdung der eigenen Möglichkeiten, aus denen sich das Entwicklungspotenzial entfalten kann. (F.C.)   >>> Zeltkleid


Labyrinth-Zeichen-Wort. Ein Reiselabyrinth. 1995–1997

Das Labyrinth ist ein uraltes Symbol das in vielen Kulturen erscheint. In meiner Installation verwende ich das Muster des kretischen Labyrinths. Bei mir bestehen die „Steine“ aus gefalteten DIN-A3 Papieren, die mit Zeichen und Symbolen aus dem archetypischen kollektiven Unbewussten bemalt wurden. Später kam immer mehr die Schrift zur Gestaltung der „Steine“ – mit Wörtern die sich mir damals wegen ihrer dichten Bedeutungen aufdrängten. Dazu kam die Spannung des zweisprachigen Erlebens.
In einem zweiten Schritt wurden die beschrifteten Blätter kopiert und weiter gezeichnet, übereinander kopiert und kombiniert. Diese Blätter wurden dann auf Gaze-Bahnen aufgehängt und ergaben als Wandinstallation ein „Labyrinth der Sprache“.
Das Begehen der Bodeninstallation war für viele Besucher auch ein neues Erfahren des eigenen inneren Raumes. Die äußere Bewegung konnte eine innere Bewegung hervorrufen – auf die eigene Mitte deutend.
Am Schluss konnte ich alle Elemente zusammenfalten und stapeln und in einen Koffer packen. Dieses „Reiselabyrinth“ steht auch als Symbol für die (labyrinthische) Lebens-Reise. (F.C.)   >>> Labyrinth



Die Sensibilität von Florina Coulin wird in ihren Kompositionen von einer fast geometrischen Strenge gezügelt. Der Farbauftrag, der Schlüssel einer Aquarell-Sprache, wird von vielfachen Bedeutungen aufgeladen und feiert ein regelrechtes Fest für die Augen, sei es in den Arbeiten früherer Serien – bei den Stillleben und den Landschaften – sei es in den neuen Arbeiten aus dem Zyklus „Lichtfenster”. Nicht nur das Dunkel ist geheimnisvoll. Auch das Licht kann es sein. Das beweisen uns die „Fenster” von Florina Coulin; visuelle Erkundungen der Geheimnisse des Lichts oder angedeutetes Eintauchen in die blendende Tiefe einer Wahrnehmungsrealität, die nicht voll erklärt werden kann, auch von der modernen Physik nicht. In das von der Künstlerin imaginierte Licht tritt man bisweilen durch raffinierte Farbverläufe. Der Übergang von einer körperhaften Welt in eine metaphysiche wird diskret und zugleich entschieden angedeutet. Die Grundformen selbst werden zu Fenstern, zu Schwellen des Übergangs ins Unfassbare. Damit ein Künstler einen Zutritt zu einer derartigen Verdichtung erlangt, wie sie Florina Coulin erreicht hat, sind, jenseits des Könnens, wiederholte und konsequente geistige Übungen vonnöten. Unabhängig davon, welche Themen die Künstlerin behandelt, scheinen ihre sichtbare Klarheit und entschiedene Sensibilität mit einer beeindruckenden Intensität durch.

Luiza Barcan, Kunstkritikerin und Autorin, Bukarest